Projekte innerhalb des Unterrichts


Bridge the gap

„Überbrückt die Kluft" -unter diesem Motto stand die 19. Auswahlsitzung des Europäischen Jugendparlamentes in Stuttgart, an der wir teilnehmen durften.

 

von Laura Schmekel, Athene Knüfer und Nadja Beneš 

 

Unsere Schule, das Gymnasium Fridericianum aus Schwerin wurde aus 76 Schulen  Deutschlands auserwählt, an einem fünftägigen Workshop teilzunehmen. 110 Jugendliche stellten sich der Aufgabe, aktuelle politische Themen wie die Unterschiede zwischen Arm und Reich, Europas Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung des Verhältnisses der europäischen Bürger untereinander zu diskutieren. Im Vorfeld bewarben sich alle 76 Schulen mit einer Resolution auf Englisch zu einem aktuellen Thema, doch nur 12 wurden ernannt, um im Rahmen einer parlamentarischen Vollversammlung eine weitere vorbereitete Resolution im Stuttgarter Landtag zu verteidigen.

Das Fridericianum war dabei die einzige Schule aus ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Englisch war die vorherrschende Sprache während des ganzen Aufenthaltes in Stuttgart und Gomadingen, da die „Committee Work", die Gruppenarbeit,  meist internationale Studenten, zum Beispiel aus Italien, Griechenland, Finnland oder auch Estland,  leiteten.

Während der ersten beiden Tage fanden sich alle in gemischten Gruppen, also den Committees, zusammen - keiner traf einen anderen aus seiner Delegation , von daher war es angebracht, sich erstmal kennenzulernen, bevor man politische Themen ausdiskutierte. Aus dem Grund ging es los mit dem sogenannten „Teambuilding". Alle Committees spielten Kennenlernspiele und später auch Logikspiele, in denen tatkräftige Zusammenarbeit gefordert wurde, damit man das Problem in dem Spiel lösen konnte. Doch bereits am zweiten Tage sahen sich die Committees nach intensivem Teambuilding mit ihrer eigentlichen Aufgabe konfrontiert: Ein Thesenblatt zu erstellen, das Lösungsansätze zum Thema „Armut in Europa" thematisieren sollte. Schon bald war klar, dass man jede Sekunde der eineinhalb Tage, die dafür zur Verfügung standen, brauchen würde - trotzdem wurden alle rechtzeitig fertig und die Ergebnisse wurden gegen späten Nachmittag in der Staatsbibliothek Stuttgarts in einer Podiumsdiskussion präsentiert und mit Politikern diskutiert.

Den Höhepunkt der Sitzung jedoch stellte die „General Assembly" dar, eine zweitägige parlamentarische Vollversammlung, durch die wir Einblick in die Praxis einer Parlamentssitzung bekamen und in der wir unsere im Vorfeld erarbeitete Resolution zu einem politischen, EU-bezogenen Thema in einer kurzen Rede präsentierten. Anschließend hatten unsere Mitstreiterdelegationen die Möglichkeit, diese in einer offenen Debatte heftig zu diskutieren. Argumentiert und verteidigt wurde selbstverständlich nach den Regeln des Europäischen Parlaments, was wir als besonders spannend empfanden: immer, wenn sich die verschiedenen Delegationen zu Wort meldeten, musste ein Schild mit dem Namen des eigenen Komitees gehoben werden, bei direkter Antwort auf das eben Gesagte schnellten die Schilder mit der Aufschrift „Direct Response" in die Höhe. Es wurden kluge Fragen gestellt und starke Worte gefunden, die verschiedenen Resolutionen in einer Angriffsrede zu kritisieren. Nach ungefähr 15 Minuten Präsentation, Debatte und Verteidigung stimmte man über die jeweilige Resolution ab. Große Erleichterung kam auf, als wir erfuhren, dass unsere Resolution erfolgreich war.  Die Sitzungssprachen Englisch und Französisch sorgten für internationales Flair und professionelle Gestaltung, was uns sehr beeindruckte. Eine unabhängige Jury bewertete die Arbeit der verschiedenen Delegationsmitglieder in der „Committee Work" und der „General Assembly" und wählte am Ende zwei Delegationen aus, welche Deutschland bei den Internationalen Sitzungen des Europäischen Jugendparlaments in Helsinki (Herbst 2009) und Tromsø (Frühling 2010) vertreten werden. Auch wenn wir nicht zu diesen zwei Schulen gehören, bestehen zahlreiche Möglichkeiten, sich im Rahmen des Europäischen Jugendparlaments weiter zu engagieren und zu qualifizieren für internationale und nationale Foren.

Seit mehr als 19 Jahren bietet das Europäische Jugendparlament politisch interessierten Jugendlichen die Möglichkeit, sich aktiv mit gesellschaftlichen Problemen auseinander zu setzen sowie ganz eigene Idee zur Gestaltung Europas zu entwickeln und diese auch mit anderen teilen zu können. Außerdem finden die Sitzungen auch in Kooperation mit der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland statt. Auf diese Weise ist internationale Politik für Jugendliche ein Thema, das nicht nur im Sozialkundeunterricht besprochen werden kann, sondern sogar weit darüber hinaus auf Mitinteressenten stößt! Denn wie Krista Simberg, die Präsidentin der Sitzung, schon sagte: „Jede Person die du kennenlernst, jedes Wort, das du sagst, jede Wahl die du hast ist eine neue Chance. Und das EYP ist voll von diesen. Nutze diese Erfahrungen um zu lernen, Spaß zu haben, deine Meinung laut werden zu lassen, zu debattieren und vor allem an dir selbst zu wachsen. Das ist deine Herausforderung."


Besuch des Bundestages 2009

Bundestag live!

Fragt man die heutige Jugend nach ihrem Standpunkt zur Politik, hört man meistens ablehnende Bemerkungen wie „Nö, kein Interesse"; „Das versteh ich sowieso nicht"; „Die Politiker reden doch sowieso nur um den heißen Brei".

Klischees wie diese kennen wir, die elften Klassen des Fridericianums, auch,  jedoch gewannen wir in einer Exkursion nach Berlin in den deutschen Bundestag einen ganz neuen Eindruck von Politik(ern). Jeder Bürger hat die Möglichkeit an einer öffentlichen Plenarsitzung teilzunehmen und sich so über aktuelle Themen objektiv zu informieren. Eine spezielle Anmeldung ist nicht erforderlich, es muss lediglich vor Eintritt in den Bundestag eine gründliche Sicherheitskontrolle - ähnlich wie auf Flughäfen - passiert werden.

Begleitet von unseren Sozialkundelehrern nahmen wir am 29.1.2009 an der Aktuellen Stunde teil und konnten im Plenarsaal viel Interessantes beobachten: Während die Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul sprach, suchten unsere Blicke Finanzminister Steinbrück und Vizekanzler Steinmeier, die wir gleich darauf links neben dem Pult des Präsidiums entdeckten, denn dort finden die Mitglieder der Bundesregierung und des Bundesrates Platz. Alle fünf Minuten kam ein Abgeordneter hinzu, setzte sich in das Plenum; zeitweise verschwanden auch mal zwei Abgeordnete in die hinterste Ecke, um sich über ihre aktuellen Pläne auszutauschen.

Angestellte in super eleganten Smokings sorgten dafür, dass es den Abgeordneten an nichts fehlt, selbstverständlich waren diese sofort mit einem Glas Wasser unterwegs, sobald darum gebeten wurde.

„Unterhalten" wurden wir nicht nur durch das aufmerksame Beobachten der Veranstaltung, sondern unter anderem auch von Frau Wieczorek-Zeul (SPD), die während der Sitzung vor einer neuen „humanitären Katastrophe" in der Dritten Welt warnte. Durch die Verkoppelung von Ernährungs- und Finanzkrise müssten jetzt bereits weltweit wieder mehr als eine Milliarde Menschen hungern. Jeder Prozentpunkt weniger Wachstum treibe rund 20 Millionen Menschen zurück in die Armut. „Es besteht die Gefahr, dass sich die Krise in einem Kontinent wie Afrika in eine humanitäre Katastrophe mit Tausenden von Hungernden und Toten entwickelt", sagte Wieczorek-Zeul zum Stand der sogenannten Millenniums- Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Dort bezahlten die Menschen für den Kollaps der Börsen „in der harten Währung ihrer täglich bedrohten Existenz". Deshalb werde Deutschland bei der Entwicklungshilfe „nicht nachlassen". Außerdem kämen Entwicklungs-Aufträge auch vielen deutschen Firmen zugute.

Unterstützung bekam die SPD-Ministerin vom Koalitionspartner Union. Der CSU-Abgeordnete Christian Ruck warnte, wegen der immer engeren Verzahnung der Volkswirtschaften wären Kürzungen im Entwicklungs-Etat ein „schlimmes Eigentor".

Die FDP forderte hingegen, die Entwicklungshilfe insgesamt auf den Prüfstand zu stellen. „Sie wollen immer nur mehr Geld für eine falsche Entwicklungshilfe ausgeben", sagte der FDP-Abgeordnete Hellmut Königshaus. Dies helfe weder den Entwicklungsländern noch dem deutschen Steuerzahler.

Im Unterschied dazu verlangte die Grünen- Abgeordnete Ute Koczy, für die Entwicklungshilfe noch „viel mehr Geld in die Hände zu nehmen".

Die Linke hielt Wieczorek-Zeul vor, ihre eigenen Vorhaben nicht umsetzen zu können.

Es ist erstaunlich, wie viel aktuelles Wissen wir aus 40 Minuten Bundestagssitzung gewinnen konnten! Das war aber noch nicht alles: In einer Diskussion mit dem Bundestagsabgeordneten Christian Arendt (FDP)aus dem Wahlkreis Schwerin-Ludwigslust durften wir unsere bisherigen Kenntnisse unter Beweis stellen. Standpunkte zum NPD Verbot, zur Aufnahme von Guantanamo-Häftlingen in Deutschland und zu Bespitzelungen und Datenklau wurden kräftig diskutiert. Politisch Bescheid zu wissen beeindruckt. Politik - ein Bereich in der Gesellschaft, der von uns Jugendlichen keineswegs vernachlässigt und mit Desinteresse verbunden werden sollte.

Hinter uns liegt ein beeindruckender, interessanter und in jedem Falle gelungener Tag! Vielen Dank an Frau Uffmann, die diesen Ausflug für uns organisierte und an Herrn Ahrendt und seine Mitarbeiter.




Das Landtagsspiel 2006

Das Landtagsspiel 2006
Das Schülerplenum

Rauchen und Trinken erst ab 18?! „Verbot von Zigaretten und Alkohol für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren" - ein typisches Diskussionsthema der Politiker. Aber am 5.3.07 wurden die Sitze des Plenarsaales des Schweriner Landtages von den Schülern der 11.Klasse des Fridericianum eingenommen. Die Einführung in die Aufgaben und Arbeitsweise des Landtages gaben Claudia Richter und Christine Wittwer, welche in der Öffentlichkeitsarbeit tätig sind. Nachdem Hendrik Schwarz per Wahlzettel zum Präsidenten gewählt worden war, wurden die Schüler in Fraktion A und B eingeteilt. Hierbei stellte die Gruppe B den Antrag auf ein Alkohol- und Zigarettenverbot unter 18 Jahren, während die Gruppe A die Contraposition vertrat. Diese Diskussion zieht sich normalerweise über Tage und Wochen hin, doch die 11.Klasse sollte es an einem Tag vollbringen. Um das Landtagsspiel möglichst authentisch zu gestalten, zogen sich die Parteien in separate Räume zurück. Für die anschließende Debatte wurden zwei Redner aus jeder Fraktion bestimmt.Zwischendurch konnten die Schüler einen kleinen Imbiss in der Lobby zu sich nehmen. Hinterher lieferten sich beide Parteien eine heftige Debatte im Plenarsaal, in die der Präsident oft eingreifen musste. Für ein Verbot sprechen das niedrige Einstiegsalter der Raucher und die Folgeschäden des Alkohol- und Zigarettengenusses. Bei einem Feinstaubvergleich eines laufenden Dieselmotors und Zigaretten in einer Tiefgarage wurde herausgefunden, dass Zigaretten wesentlich mehr Feinstaub produzieren als ein Dieselkraftfahrzeug. Hauptargumente gegen das Verbot waren unter anderem die hohen Einnahmen des Staates durch die Tabaksteuer sowie die Möglichkeit, dass unter 18-jährige mit Hilfe von älteren Personen in den Besitz dieser Drogen gelangen könnten. Am Ende dieses Tages konnte die Fraktion B ihren Antrag mit 12 zu 10 Stimmen durchsetzen. Auf ein Gesetz unserer Politiker ist jedoch noch zu warten.